Wechselwir­kungen

THC und CBD werden hepatisch metabolisiert und können arzneimittelabbauende Enzyme hemmen; dadurch steigen Wirkspiegel begleitend verabreichter Medikamente, was Wirksamkeit und Toxizität verändert [1]. Opioide wie Methadon, Buprenorphin, Fentanyl und Oxycodon werden ebenfalls enzymatisch abgebaut; bei gleichzeitiger Gabe von Cannabinoiden steigen die Opioidspiegel häufig an. Klinisch wurden unter einer CBD-Dosissteigerung bei stabilem Methadon ausgeprägte Somnolenz und Fatigue beobachtet; unter Buprenorphin zeigte sich bei Cannabisgebrauch ein Anstieg von Buprenorphin im Blut. Diese Befunde sprechen für eine relevante Interaktionsgefahr [1].

THC – Wechselwirkungen

Internationale Fachgesellschaften wie die Society of Cannabis Clinicians (SCC) haben die wichtigsten Interaktionsdaten zusammengestellt [2]. Interaktionen mit THC können Risiken bergen, lassen sich jedoch häufig durch Dosisanpassungen kontrollieren.

Herz-Kreislauf-Medikamente:

Calciumkanalblocker (Amlodipin, Nifedipin) → verstärkte Wirkung möglich (Blutdruckabfall, Sturzrisiko)

Antibiotika:

Makrolide (z. B. Clarithromycin, Erythromycin) → verstärkte Nebenwirkungen (z. B. Durchfälle)

Benzodiazepine:

verstärkte Sedierung → ggf. Dosisreduktion prüfen

Statine:

insbesondere Atorvastatin, Rosuvastatin → erhöhte Konzentrationen möglich

HIV-Medikamente:

insbesondere Protease-Inhibitoren → Gefahr erhöhter Wirkspiegel und Toxizität

Steroide:

Prednison, Dexamethason → Metabolismus kann verändert sein (nicht genau definiert)

Antikoagulanzien:

Warfarin (Coumadin) → durch CYP2C9-Hemmung Risiko erhöhter Blutspiegel, erhöhtes INR, Blutungsrisiko

Transplantations-Medikamente:

  • Calcineurin-Inhibitoren (Cyclosporin, Tacrolimus)
  • mTOR-Inhibitoren (Sirolimus, Everolimus) → erhöhte Spiegel, Gefahr von Toxizität (Nierenschäden, Bluthochdruck, Infektionsrisiko)
  • Antimetabolite (Mycophenolat, Azathioprin) → Aufnahme kann durch THC reduziert werden (verminderte Wirkung möglich)

OTC-Medikamente (rezeptfrei):

  • NSAIDs (Ibuprofen, Aspirin) → erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen und Ulzera
  • Antihistaminika → verstärkte Sedierung und Mundtrockenheit
  • Pseudoephedrin, Phenylephrin → Risiko für Herzrasen und Blutdruckanstieg

Nahrungsergänzungsmittel:

  • Johanniskraut → beschleunigter THC-Abbau, geringere THC-Wirkung
  • Melatonin, Baldrian → verstärkte Sedierung und Einschränkung von Kognition und Motorik
  • Echinacea → kann THC-Abbau hemmen, verstärkte psychoaktive und sedierende Wirkung

CBD – Bei welchen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen?

Die Wechselwirkungen von Cannabidiol (CBD) mit anderen Arzneimitteln wurden in einem systematischen Review (2024, Frontiers in Pharmacology) beschrieben [3].

Antikoagulanzien:

Warfarin (Coumadin) → schwankende Spiegel, INR-Anstieg bis > 9 beschrieben → Blutungsrisiko. Teilweise 20–30 % Dosisreduktion erforderlich. INR engmaschig kontrollieren.

Immunsuppressiva (Transplantations medikamente):

mTOR-Inhibitoren (Everolimus, Sirolimus) → Spiegel bis 2–3-fach erhöht, klinische Toxizitäten (z. B. Durchfälle). Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus) → deutliche Spiegelanstiege, Fälle von Tacrolimus-Toxizität (Tremor, Verwirrtheit). Therapeutisches Drug Monitoring zwingend notwendig.

Antiepileptika:

Valproat (VPA) → erhöhte Leberwerte (AST/ALT), teils Thrombozytopenie → Dosisanpassung oder Absetzen notwendig. Levothyroxin → in Einzelfällen stark erhöhte CBD-Spiegel (bis vierfach). Everolimus (bei TSC) → unregelmäßige Spiegel unter CBD. Brivaracetam, Phenobarbital → bisher keine Interaktionen beobachtet. Regelmäßige Kontrollen von Leberwerten, Blutbild und Wirkstoffspiegeln empfohlen.

Praktische Konsequenzen:

Start low, go slow:

Cannabinoide einschleichen, Dosen schrittweise anpassenengmaschig überwachen.

Warnzeichen erfassen

Sedierung, Verwirrtheit, Schwindel, kognitive Verlangsamung

Opioidtherapie aktiv steuern

Unter Methadon  und  Buprenorphin besonders wachsam bleiben; bei klinischen Hinweisen Dosen  reduzieren  bzw.  anpassen und ggf. Spiegel  oder EKG  (QT-Risiko bei Methadon) kontrollieren.

Arzneimittelanamnese erweitern:

Cannabis/CBD (Produkt, Dosis, Frequenz, Applikationsform) erfassen  und  dokumentieren;  bei jeder Therapieänderung Interaktionscheck wiederholen.

Patienten aufklären

Änderungen der Dosis vorab abstimmen; bei verstärkter Müdigkeit, Schwindel oder Atemproblemen sofort Kontakt aufnehmen.

Quellen:

[1] Troyer J, Tanco K. Review of the Use of Medicinal Cannabis Products in Palliative Care. Cancers (Basel). 2024;16(7):1412. doi:10.3390/cancers16071412.

[2] Lopez J; Society of Cannabis Clinicians. Drug Interactions with Cannabis. 2024. Verfügbar unter: https://www.cannabisclinicians.org (Zugriff: 03.09.2025).

[3] Nachnani R, Knehans A, Neighbors JD, et al. Systematic review of drug-drug interactions of delta-9-tetrahydrocannabinol, cannabidiol, and Cannabis. Front Pharmacol. 2024 May 22.