Internationale Fachgesellschaften wie die Society of Cannabis Clinicians (SCC) haben die wichtigsten Interaktionsdaten zusammengestellt [2]. Interaktionen mit THC können Risiken bergen, lassen sich jedoch häufig durch Dosisanpassungen kontrollieren.
Calciumkanalblocker (Amlodipin, Nifedipin) → verstärkte Wirkung möglich (Blutdruckabfall, Sturzrisiko)
Makrolide (z. B. Clarithromycin, Erythromycin) → verstärkte Nebenwirkungen (z. B. Durchfälle)
verstärkte Sedierung → ggf. Dosisreduktion prüfen
insbesondere Atorvastatin, Rosuvastatin → erhöhte Konzentrationen möglich
insbesondere Protease-Inhibitoren → Gefahr erhöhter Wirkspiegel und Toxizität
Prednison, Dexamethason → Metabolismus kann verändert sein (nicht genau definiert)
Warfarin (Coumadin) → durch CYP2C9-Hemmung Risiko erhöhter Blutspiegel, erhöhtes INR, Blutungsrisiko
Die Wechselwirkungen von Cannabidiol (CBD) mit anderen Arzneimitteln wurden in einem systematischen Review (2024, Frontiers in Pharmacology) beschrieben [3].
Warfarin (Coumadin) → schwankende Spiegel, INR-Anstieg bis > 9 beschrieben → Blutungsrisiko. Teilweise 20–30 % Dosisreduktion erforderlich. INR engmaschig kontrollieren.
mTOR-Inhibitoren (Everolimus, Sirolimus) → Spiegel bis 2–3-fach erhöht, klinische Toxizitäten (z. B. Durchfälle). Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus) → deutliche Spiegelanstiege, Fälle von Tacrolimus-Toxizität (Tremor, Verwirrtheit). Therapeutisches Drug Monitoring zwingend notwendig.
Valproat (VPA) → erhöhte Leberwerte (AST/ALT), teils Thrombozytopenie → Dosisanpassung oder Absetzen notwendig. Levothyroxin → in Einzelfällen stark erhöhte CBD-Spiegel (bis vierfach). Everolimus (bei TSC) → unregelmäßige Spiegel unter CBD. Brivaracetam, Phenobarbital → bisher keine Interaktionen beobachtet. Regelmäßige Kontrollen von Leberwerten, Blutbild und Wirkstoffspiegeln empfohlen.
Cannabinoide einschleichen, Dosen schrittweise anpassen, engmaschig überwachen.
Sedierung, Verwirrtheit, Schwindel, kognitive Verlangsamung
Unter Methadon und Buprenorphin besonders wachsam bleiben; bei klinischen Hinweisen Dosen reduzieren bzw. anpassen und ggf. Spiegel oder EKG (QT-Risiko bei Methadon) kontrollieren.
Cannabis/CBD (Produkt, Dosis, Frequenz, Applikationsform) erfassen und dokumentieren; bei jeder Therapieänderung Interaktionscheck wiederholen.
Änderungen der Dosis vorab abstimmen; bei verstärkter Müdigkeit, Schwindel oder Atemproblemen sofort Kontakt aufnehmen.
[1] Troyer J, Tanco K. Review of the Use of Medicinal Cannabis Products in Palliative Care. Cancers (Basel). 2024;16(7):1412. doi:10.3390/cancers16071412.
[2] Lopez J; Society of Cannabis Clinicians. Drug Interactions with Cannabis. 2024. Verfügbar unter: https://www.cannabisclinicians.org (Zugriff: 03.09.2025).
[3] Nachnani R, Knehans A, Neighbors JD, et al. Systematic review of drug-drug interactions of delta-9-tetrahydrocannabinol, cannabidiol, and Cannabis. Front Pharmacol. 2024 May 22.