Anwendungs­gebiete von THC und CBD

Aufgrund ihrer individuellen Wirkungsweise und ihres breiten Wirkspektrums werden die Cannabinoide THC und CBD in Deutschland bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt. Die Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat deutlich gezeigt, dass Cannabis nicht nur bei Schmerzen, Entzündungen und Krebserkrankungen, sondern auch bei einer Vielzahl neurologischer und affektiver Störungen ärztlich verordnet wird [1].

Das BfArM wurde beauftragt, zwischen 2017 und 2022 eine Begleiterhebung zur Verordnung von Cannabis durchzuführen. Alle Ärztinnen und Ärzte, die Cannabis als Kassenleistung verordnet haben, sollten anonymisierte Daten an das BfArM übermitteln. Es handelt sich somit um eine große Datenbasis mit entsprechender Aussagekraft.

Diagnosen mit dem größten Therapieerfolg

Dazu gehören:

Am Ende dieses Artikels folgt eine vollständige Auflistung der ICD-10-Diagnosen aus der BfArM-Begleiterhebung zum Medizinalcannabis-Einsatz in Deutschland.

Differenzierte Auswahl der Cannabinoidtherapie – wann THC, CBD oder eine Kombination?

Die Tatsache, dass die beiden wichtigsten Cannabinoide THC und CBD viele ähnliche, zum Teil aber auch gegensätzliche Wirkungen entfalten, macht eine differenzierte Betrachtung der Anwendungsfelder notwendig.

Die folgenden Informationen sollen die Auswahl einer Cannabinoidtherapie erleichtern:

THC – allein eingesetzt bei:

CBD – allein eingesetzt bei:

THC und/oder CBD:

Ob Cannabinoide allein oder in Kombination eingesetzt werden, hängt immer von einer ganzheitlichen Betrachtung ab: Dazu zählen sämtliche Symptome, die bestehende Medikation, die individuelle Vulnerabilität der Patientinnen und Patienten sowie deren Vorerfahrungen mit Cannabinoiden.

Bei cannabisnaiven Schmerzpatienten kann es beispielsweise sinnvoll sein, neben dem schmerzlindernden THC auch CBD zu verordnen, da CBD angstlösende Eigenschaften besitzt und möglichen unerwünschten Effekten von THC entgegenwirken kann [2,3].

Maßgeblich für die Therapieentscheidung sind stets die Wirkungen, Nebenwirkungen sowie die potenziellen Wechselwirkungen der Cannabinoide.

In den beiden folgenden Übersichten finden Sie eine Zusammenstellung dieser wichtigen Informationen für die Cannabinoide THC und CBD.

THC – erwünschte Wirkungen

Mögliche Nebenwirkungen

THC – Bei welchen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen?

Internationale Fachgesellschaften wie die Society of Cannabis Clinicians (SCC) haben die wichtigsten Interaktionsdaten zusammengestellt [7]. Interaktionen mit THC können Risiken bergen, lassen sich jedoch häufig durch Dosisanpassungen kontrollieren.

CBD – erwünschte Wirkungen

Mögliche Nebenwirkungen

CBD – Bei welchen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen?

Die Wechselwirkungen von Cannabidiol (CBD) mit anderen Arzneimitteln wurden in einem systematischen Review (2024, Frontiers in Pharmacology) beschrieben [10].

Abschließend als weitere Orientierungshilfe die Auflistung der ICD-10-Diagnosen (im Rahmen der BfArM-Begleiterhebung dokumentiert), bei denen Cannabis als Kassenleistung genehmigt und eingesetzt wurde [1].

ICD-10- Diagnosen und Therapieerfolg von Cannabisextrakten – Ergebnisse der BfArM-Begleiterhebung

Schmerzsyndrome

Neurologische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen

Entzündliche & rheumatische Erkrankungen

Tumorerkrankungen

Sonstige Diagnosen

Quellen

[1] BfArM (06.07.2022): Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln

[2] Lafaye G, Karila L, Blecha L, Benyamina A. Cannabis, cannabinoids, and health.DialoguesClinNeurosci. 2017 Sep;19(3):309-316. doi:10.31887/DCNS.2017.19.3/glafaye. PMID: 29302228; PMCID: PMC5741114.

[3] Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and thepharmacodynamicsofcannabinoids. Br J ClinPharmacol. 2018 Nov;84(11):2477-2482. doi:10.1111/bcp.13710. Epub 2018 Aug 7. PMID: 30001569; PMCID: PMC6177698

[4] Grotenhermen F, Häussermann K. Cannabis. Verordnungshilfe für Ärzte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Stuttgart, 2. Aufl. 2017.

[5] Subramaniam VN, Menezes AR, DeSchutter A, Lavie CJ. The CardiovascularEffectsofMarijuana: Are the Potential Adverse EffectsWorththe High? Mo Med. 2019 Mar-Apr;116(2):146-153. PMID: 31040502; PMCID: PMC6461323.

[6] Kramer J, Koller G, Pogarell O. Cannabinoids and theheart – a psychiatrist’sperspective. Herz. 2024 Dec;49(6):428-433. doi:10.1007/s00059-024-05273-y. Epub 2024 Sep 27. PMID: 39331072.

[7] Lopez, Jana; Society of Cannabis Clinicians (2024): Drug Interactions with Cannabis. Online verfügbar unter: https://www.cannabisclinicians.org, Stand: 03.09.2025.

[8] Pinto JS, Martel F. Effectsof Cannabidiol on Appetite and Body Weight: A Systematic Review.Clin Drug Investig. 2022;42(11):909-919. doi:10.1007/s40261-022-01205-y.

[9] Lucas CJ, Galettis P, Schneider J. The pharmacokinetics and thepharmacodynamicsofcannabinoids. Br J ClinPharmacol. 2018 Nov;84(11):2477-2482. doi:10.1111/bcp.13710.

[10] Nachnani R, Knehans A, Neighbors JD, et al. Systematic review ofdrug-druginteractionsof delta-9-tetrahydrocannabinol, cannabidiol, and Cannabis. Front Pharmacol. 2024 May 22.