Cannabis ist eine vielseitige Pflanze mit zahlreichen Sorten und unterschiedlichen Eigenschaften.
Die Cannabispflanze (botanisch: Cannabis sativa L.) wird in zwei Hauptgruppen eingeteilt: Sativa und Indica. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl von Hybriden, die durch gezielte Kreuzungen beider Sorten entstanden sind.
Sativa-Sorten enthalten häufig höhere Konzentrationen fruchtig duftender Terpene. Ihnen wird eine anregende, stimmungsaufhellende und konzentrationsfördernde Wirkung zugeschrieben. Die Pflanzen sind groß und schlank und stammen ursprünglich aus besonders warmen Klimazonen. Typische Vertreter sind die Haze-Sorten.
Indica-Sorten zeichnen sich dagegen oft durch erdigere Terpenprofile aus und werden traditionell zur Entspannung und Förderung des Schlafs eingesetzt. Auch eine moderne Datenanalyse belegt die Vorzüge von Indica-dominanten Sorten bei Schlafstörungen [1]. Indica-Pflanzen sind kleiner und kompakter als Sativa-Pflanzen und stammen aus kühleren Regionen, beispielsweise dem Hindukusch-Gebiet. Typisch sind die Kush-Sorten.
Hybride kombinieren Eigenschaften von Sativa und Indica. Je nach Züchtung gelten sie als Sativa-dominant, Indica-dominant oder ausgeglichen. Ihr Erscheinungsbild kann stark variieren, ebenso wie ihr therapeutisches Potenzial, das von der jeweiligen Zusammensetzung an Cannabinoiden und Terpenen abhängt.
Der Neurologe Dr. Ethan Russo, einer der führenden Experten für das Endocannabinoid-System, betonte 2016 in einem Interview:
„Es gibt biochemisch unterschiedliche Cannabis-Sorten, doch die gängige Unterscheidung zwischen Sativa und Indica ist völliger Unsinn (…)“ [2].
Eine 2021 veröffentlichte Studie, die Hunderte Cannabisblüten sowohl hinsichtlich ihres Terpen- und Cannabinoidgehalts als auch auf über 100.000 genetische Marker analysierte, kam zu folgendem Ergebnis:
Die tatsächliche Wirkung von Cannabis hängt also weniger von der Bezeichnung Sativa oder Indica ab, sondern in erster Linie von der chemischen Zusammensetzung – insbesondere dem Terpengehalt. So wird der entspannende Effekt, der oft Indica zugeschrieben wird, vor allem durch einen hohen Myrcen-Gehalt verursacht. Das Terpen Limonen hingegen kann eine stimmungsaufhellende Wirkung haben [2].
Die Einteilung in Sativa, Indica und Hybride bietet einen groben Überblick, ist für die medizinische Praxis jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Für eine individualisierte Therapie sollten Ärztinnen und Ärzte daher immer auf die spezifischen Inhaltsstoffe und deren Zusammensetzung achten.
[1]Kuhathasan N, Minuzzi L, MacKillop J, Frey BN. The Use of Cannabinoids forInsomnia in Daily Life: Naturalistic Study.J Med Internet Res. 2021 Oct 27;23(10):e25730. doi:10.2196/25730. PMID: 34704957; PMCID: PMC8581757
[2]Piomelli D, Russo EB. The Cannabis sativa Versus Cannabis indica Debate: An Interview with Ethan Russo, MD.Cannabis Cannabinoid Res. 2016 Jan 1;1(1):44-46. doi:10.1089/can.2015.29003.ebr. PMID: 28861479; PMCID: PMC5576603